14 JUNI 2020 – Feministisch Pausieren, Kollektiv Organisieren

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Verein Frauen*streik Thun-BeO, Stationsstr. 22, 3626 Hünibach
BEKB Steffisburg, IBAN: CH14 0079 0016 5845 9535 7
Twint: +41 79 358 30 68

Wir rufen alle Frauen*, Trans*, Inter* und Genderqueere* (FTIQ*) Personen auf, sich am Sonntag, 14. Juni 2020 von den erschöpfenden Zuständen und Arbeiten protestreich zu erholen!

Bildet Banden! Tut euch zusammen mit euren Freund*innen, Nachbar*innen, Arbeitskolleg*innen und findet eigene und neue Wege des erholenden Protests, die euren notwendigen Schutzmassnahmen entsprechen.

Sprecht über eure Forderungen – wir alle haben mehr als genug Gründe und diese sollen ihren öffentlichen Ausdruck finden.

Es steht uns frei, den eigenen Balkon zu dekorieren, mit Transparenten durch die Pärke zu joggen, auf der Strasse sitzend ein Protest-Picknick zu machen, Spaziergänge in Kleingruppen zu machen, FTIQ* zu besuchen, die nicht frei haben oder Aktionen im virtuellen Raum durchzuführen. Dieses Jahr führen wir unsere Organisierung in Kleingruppen durch und erholen uns. In allen Kantonen wird etwas stattfinden, informiere dich über das Programm in deiner Region.

Ab 15:24, zum Zeitpunkt, an dem arbeitende Frauen* aufgrund der Lohnunterschiede eigentlich nicht mehr entlöhnt werden, geben wir unseren Forderungen überall in der Schweiz lautstark Ausdruck und machen Lärm! Zwar war der zweite feministische Streik 2019 geschichtsschreibend, dennoch besteht noch lange keine Gleichstellung zwischen den Geschlechtern. Sollte sich die Situation für Frauen*, Trans*, Inter* und Genderqueere* Personen nicht ändern, behalten wir uns vor am 14. Juni 2021 wieder zu streiken.

Am 14. Juni 2020 ist es ein Jahr her, dass wir mit unserem feministischen Streiktag die grösste Mobilisierung der Schweizer Geschichte erreicht haben. Wir haben uns die Strasse genommen, um gemeinsam auf die vielen und unterschiedlichen Missstände aufmerksam zu machen, um laut und stark für Veränderung einzustehen.


Die Gründe, die uns auf die Strasse getrieben haben – seien das Lohnungleichheit, alltäglicher Sexismus, sexuelle und sexualisierte Gewalt, Rassismus und Homo- und Transfeindlichkeit – bleiben bestehen und werden durch die aktuelle Krise verschärft. Die gesellschaftlichen Zumutungen, gegen die wir uns schon lange wehren, verstärken sich empfindlich und werden sichtbarer.

Die patriarchale Gesellschaftsordnung wird augenfällig und spitzt sich zu. Unbezahlte und unterbezahlte Reproduktionsarbeit wird effektiv zum 24h-Job. Parallel zum Home-Office machten wir wochenlang Home-Schooling und sorgen uns um die (Schwieger-)Eltern. In der Isolation entstehen Spannungen mit ungewissem Ausgang, häusliche Gewalt und die strukturelle Tötung von FTIQ* (Femizide) nehmen zu.

Personen in als „systemrelevant“ erklärten Berufen wie in der Pflege arbeiten in 13-Stundenschichten ohne Lohnerhöhung oder Gefahrenzulage. Für das gesamte Gesundheitspersonal wurde zu Beginn des Lockdowns das Arbeitsgesetz ausgesetzt – weil 50-Stunden-Wochen im kaputt gesparten Gesundheitssystem nicht ausreichen um eine Krise zu bewältigen. Andere können ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen – sind die Bedingungen ohnehin schon prekär, so drohen sie ökonomisch daran zugrunde zu gehen.

Detailhandelangestellte im Verkauf oder Onlinehandel arbeiteten nicht nur für tiefste Einkommen sondern nun auch ausgesetzt, unter mangelhaften Sicherheitsmassnahmen. Gerade in diesen Jobs arbeiten viele Migrant*innen und durch die strukturelle mehrfache Diskriminierung sind diese den prekären Bedingungen direkt ausgesetzt.


Für Menschen ohne gesicherten Aufenthalt bedeutet die Krise existenzielle Probleme. Geflüchtete Menschen haben keine Möglichkeiten, sich ausreichend zu schützen oder Beratung einzuholen. Weder im Alltag ihrer Unterbringungsorten, noch in ihren rechtsstaatlich vorgesehenen Verfahren.

Die wertvolle und essentielle – „systemrelevante“ – Arbeit, die wir tagtäglich leisten ist zehrend und kennt keine Pause, sie macht auch vor Sonn- und Feiertagen kein Halt. Die Erschöpfung wird durch die Pandemie verstärkt und die Organisierung wird durch die Isolation erschwert. Dies verunmöglicht, dass dieses Jahr wieder Hunderttausende FTIQ* gemeinsam auf die Strasse gehen, während die Notwendigkeit zu protestieren aber eskaliert.

AUF UNBESTIMMTE ZEIT VERSCHOBEN:
Öffentlicher Anlass zum Internationalen Tag der Frau*
Titel: FRAU* IST
Podiumsfrauen*: 
Regina Fuhrer-Wyss Biobäuerin und Grossrätin 
Pia Hirschi Geschäftsleitung Kieswerk Heimberg AG 
Milena Krstic Musikerin und Journalistin
Sabine Portenier Modedesignerin und Betriebsleiterin Nähwerk IDM, Textile Fachschule & Produktion 

Moderation:  Gisela Feuz 
Veranstalterin: Verein Frauen*streik Thun-BeO
Eintritt frei, Kollekte

Frauen*streik im Berner Oberland

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Herzlichen Dank und auf zum Frauen*streik!

Materialien zum Frauen*streik

Die AG Bildung hat Unterrichtsmaterialien zum Frauen*streik und zu Themen rund um Gender, Rollenbilder, Gleichstellung, Sexismus und Gerechtigkeit erarbeitet. Bedient euch!

Eine Gruppe aus dem Frauen*streik Kollektiv Thun hat ein Manifest zu Geschlechtergerechtigkeit im Fussball verfasst.

Wir haben eine Broschüre zum Frauen*streik 2019 zusammengestellt. DieText- und Bildbeiträge stammen von ganz unterschiedlichen Menschen* – unterschiedlich jung, alt, mit unterschiedlichem Werdegang, unterschiedlichen Haltungen und unterschiedlichen Meinungen zu Feminismen und Speziesismen. Uns vereint nicht nur, aber vor allem der Wunsch nach Gleichberechtigung, Gleichstellung und Akzeptanz. Wir alle wünschen uns, nicht aufgrund einer festgelegten Kategorie eingeteilt zu werden und anhand dieser entlöhnt, beschäftigt, taxiert und angesprochen zu werden. Für einige von uns sind Kategorien überhaupt zu eng. Wir wollen Neues erschaffen. Wir wollen uns mitteilen, auf Missstände aufmerksam machen, Schönes teilen. Wir möchten mit den Texten und den Bildern etwas weitergeben, was nicht alltäglich in den Medien erscheint und wir wünschen uns, dass die Texte und Bilder Euch und uns inspirieren, einladen zum Austausch mit Anderen.
Durch das gemeinsame Nachdenken, das Formulieren von Forderungen und Wünschen und durch gemeinsames Handeln können wir die Welt verändern.
Herzlich, Eure Redaktionsgruppe

Das Bilderbuch „Ich heisse Himbeere – Ich heisse Wolke“ befasst sich mit dem Gender-Thema.
Es soll die Kinder darin bestärken, dass es gut und richtig ist wenn man so ist wie man ist.
Fotografie: Tabea Reusser | Text: Emmanuelle Houlmann | Gestaltung/Illustration: kühnegrafik
Hier geht’s zum PDF des Bilderbuchs